Volksplane VP1- oder: Zuerst war da ein Motor!
Zur Vorgeschichte, ich betreibe das Hobby der Modellflieger und Modellbauerei seit 1983. Alle meine Modelle, die ich bisher gebaut habe, sind nicht aus Baukästen entstanden. Es war für mich immer eine Herausforderung, aus Dreiseitenansichten, manchmal auch nur von Fotos oder Bauplänen ein Modell in meiner Werkstatt entstehen zu lassen. Ich denke, das man mich zu den Holzwürmern zählen kann, es macht einfach Spass sich mit diesem Werkstoff zu beschäftigen. Natürlich kommen auch moderne Werkstoffe wie Glasfaser oder Kohlefaser zum Einsatz.
Aus einem Überbestand hatte ich noch einen ZG 38, der noch verbaut werden sollte. Nach acht Piper, die ich bisher gebaut habe, kam so ein Flieger nicht mehr in Frage. Es sollte aber ein Flugzeug sein, das ähnlich wie eine Piper fliegt und bei dem der ZG die richtige Motorisierung wäre. Das Internet macht es einem heute leicht nach passenden Modellen auf die Suche zu gehen. In meinen Modellfliegeranfängen hatte ich einmal ein Modell mit dem Namen VP1 in einem Modellbaumaßstab 1:4. VP steht für Volksplane, die „1“ für einen Piloten. Es handelt sich um ein Amateurflugzeug, das in Amerika in Garagen oder Schuppen von den Piloten selbst gebaut wird. Die Konstruktion entstand 1966 von William Samuel Evans in Kalifornien. Es sollte ein Entwurf sein, der auch von vergleichsweise unerfahrenen Heimwerkern aufzubauen war. Am 6. September 1968 flog die erste Volksplane VP1. Das Besondere war der Antrieb für dieses Flugzeug. Es wurde ein VW Boxermotor von 1500 – 1800 ccm eingesetzt. So war auch die Anschaffung für viele erschwinglich. Die Konstruktion bestand aus Sperrholz und Bespannung. Jeder Heimwerker hatte dabei die Möglichkeit, auch seine eigenen Ideen noch in dieses Flugzeug einzubringen. So entstanden unzählige verschiedene Varianten. Auch einen zweisitziges VP gab es (VP2). In Deutschland steht eine VP2 in Schwenningen.
Ich suchte also im Netz nach einem Plan einer VP1 im Maßstab 1:3. Leider fand sich nicht das, wonach ich suchte. Daraufhin entschied ich mich die originale Dreiseitenansicht auf ein DIN A 4 Blatt von Evans Aircraft Corporation herunter zu laden. Dieses war nun meine Arbeitsunterlage. Ich rechnete die auf dem Plan angegebenen Maße von Zoll und Fuß in Meter um und berechnete die zum Maßstab 1:3 nötigen Maße. Dabei ergaben sich für die Spannweite 2,44m, für den Rumpf 1,84m. Der Maßstab war so gewählt, dass mein ZG vollkommen unter der Motorhaube verschwinden würde. Für den Schalldämpfer war derjenige von Toni Clark vorgesehen, der in der Piper hinter dem Motorspannt Verwendung findet.
Das Besondere an einer VP1 ist, dass beide Ruder, Höhenruder und auch das Seitenruder als Pendelruder ausgelegt sind. Ich erinnerte mich an meine erste VP1, die in einem kleineren Maßstab keine Pendelruder hatte. Es sollte bei der größeren Variante jedoch mindestens ein guter Semi Scale Nachbau entstehen, natürlich mit Pendelruder, so wie das Original. Als Tragflügelprofil wählte ich ein Clark Y, zum einem kenne ich das von meinen Pipern, zum anderen wird es auch bei der manntragenden Version verwendet. Die VP1 ist ja auch kein Flugzeug, das für den Kunstflug zugelassen ist. Nachdem alle technischen Möglichkeiten durchdacht waren begann ich mit dem Bau des Rumpfes.
Es handelt sich um einen so genannten Kastenrumpf mit geraden Seitenwänden, geradem Unterboden. Die Seitenwände wurden aus 3mm Pappelsperrholz in einem Stück hergestellt. Zur Erleichterung wurden die Seitenteile überall dort mit Ausschnitten versehen, wo es die Festigkeit erlaubte. So erleichtert waren es 25 gr. pro Seite, die ich einsparte. Auch wenn man sich in einem großen Maßstab bewegt, darf man nie das Gewicht aus den Augen lassen. Ein leichtes Modell fliegt einfach schöner. Da wo es von der Konstruktionsfestigkeit nötig war darf man natürlich nicht sparen. Immerhin handelt es sich um ein Modell in 1:3 und es treten schon Kräfte auf, die nicht außer Acht zu lassen sind.
Nachdem die Seitenteile fertig waren, baute ich eine einfache Helling aus Winkeln, damit sich der Rumpf beim Kleben sich nicht verziehen konnte. Dabei standen die Seitenteile auf dem Kopf auf dem Baubrett, weil es sich anbot, den geraden Verlauf in der Rumpfmitte zu benutzen um einen verzugfreien Rumpf zu bauen. Die nötigen Spanten wurden zwischen die Seitenteile geklebt. Ich benutze für diese Arbeiten Express Weißleim. Durch vorsichtiges Erhitzen mit einem Fön erreiche ich eine schnellere Klebung. Dadurch wird der Baufortschritt nicht unnötig verlängert. Als nächstes wurde der Rumpfboden verklebt. Nach Durchtrocknen der Klebungen konnten die Winkel der Helling entfernt werden. Der nun in der Oberseite offene Rumpf war schon so verwindungssteif, dass ich mit den weiteren Einbauten weitermachen konnte. Um an den Tank und den Schalldämpfer gut heran zu kommen, wurde die Oberseite des vorderen Rumpfes als Deckel gebaut, der später mit kleinen Blechschrauben am Rumpf verschraubt wurde. Genau so ist es auch am manntragenden Flugzeug.
Die erste technische Herausforderung war nun der Bau des Pendel - Seitenruders. Es musste so spielfrei ausgeführt sein, dass später beim Flug kein Schlingern durch zu loses Seitenruder entsteht. Die Achse für das Seitenruder besteht aus einem 30mm Steckrohr, so wie es bei Flächensteckungen benutzt wird. Als Lager klebte ich die passende GFK Hülse in den Rumpf. Die Rippen des Seitenruders wurden auf das Steckrohr aufgereiht, in entsprechenden Abständen. Das Rohr bildet den Holm für das Seitenruder. Beplankt wurde der Nasenbereich mit 0,4mm Sperrholz. Es entstand so ein verwindungssteifes Ruder. Zwischen Hülse im Rumpf und Seitenruder ließ ich mir aus Teflon einen entsprechenden Ring drehen, der dort als Gleitlager dient. Damit es eine wirklich spielfreie Anlenkung wird, entschied ich mich dazu, das Seitenruder an beiden Seiten anzulenken.
Die Anlenkung ist natürlich wie beim Original im Rumpf geführt, auf beiden Seiten mittels im Kunststoffrohr geführten 2mm Stahldrähten. Diese enden jeweils auf eine 3,9kg Rudermaschine. Das sollte für diese Rudergröße ausreichend sein. Bei der Recherche entdeckte ich, dass sich ein zusätzliches Ruder am Ende des Seitenruders befand. Natürlich sollte ein solches Ruder auch an meiner VP1 vorhanden sein, und dieses auch funktionsfähig! Ich fand heraus, dass es sich nicht um ein Trimmruder handelt, sondern um ein Hilfsruder, das zur Unterstützung des Seitenruders dient und gleichsinnig bei einem Ruderausschlag mitgeht. Auf unzähligen Fotos im Internet forschte ich, wie es mit der Funktion dieses Ruders technisch gelöst war. Um es kurz zu machen, es funktioniert bei meinem Modell so wie beim Original. Bei Hilfsrudern, die gegenläufig zum Ausschlag angesteuert sind, spricht man von sogenannten Fletnerrudern. Wie die bei einer VP1 benutzten Hilfsruder heißen, habe ich bisher nicht herausgefunden. Das gleiche Hilfsruder findet sich auch am Höhenruder. Für eventuell anfallende Wartungsarbeiten an den Anlenkungen ist der Raum unter dem Seitenruder mit Deckeln verschlossen. Sollte es einmal nötig sein, können das Seitenruder sowie auch das Höhenruder für Transportzwecke abgenommen werden.
Für das Drehlager des Höhenruders musste mir ein Modellfliegerkollege helfen, der über eine Fräs- und Drehbank verfügt. Ich hatte mir vorgenommen auch dieses Drehlager Scale auszuführen, nur mit dem Unterschied, dass bei mir – anders als beim manntragenden Flugzeug – nicht drei, sondern nur zwei Drehlager vorhanden sind. Um den Belastungen des Höhenruders gerecht zu werden und der Entstehung eines Spiels vorzubeugen, wählte ich diese Konstruktion in Messing.
Das Höhenruder wurde in konventioneller Rippenbauweise erstellt, mit dem eingelassenen Hilfsruder. Die Beplankung des vorderen Höhenruders erfolgte wieder mit 0,4mm Sperrholz. So gebaut, ergab es ein verwindungssteifes Ruder das auch an den Drehlagern ohne Spiel gehalten werden konnte. Als Befestigungsmuttern innen im Höhenruder baute ich Stoppmuttern ein, da man dort nach dem Bespannen nicht mehr herankommt und diese sich natürlich nicht lösen dürfen. In der Mitte des Höhenruders verläuft auf der Oberseite und Unterseite ein Schlitz, durch den das Gestänge für die Anlenkung des Hilfsruders geführt wird. Am Rumpfende unter dem Höhenrunder ist der Festpunkt für diese Gestänge; durch dessen Längenveränderung wird die Neutrallage des Hilfsruders einmal eingestellt und bleibt dann fest. Zur Betätigung des Höhenruders baute ich zwei weitere 3,9kg Rudermaschinen ein, die auch über zwei in Kunststoffrohren geführte 2mm Stahldrähte die Kraft an das Höhenruder spielfrei übertragen. Da diese Konstruktion des gesamten Leitwerkes nicht mit Drähten oder Rohren verspannt ist, habe ich zur erhöhten Verdrehsteifigkeit im hinteren Rumpf noch zusätzlich über kreuz geführte Kieferleisten eingebaut.
Die Servos für das Höhenruder und Seitenruder befinden sich im Cockpit unter dem Piloten. Der 500ccm Kraftstofftank ist nahe dem Schwerpunkt im Bereich des Instrumenten Paneels untergebracht und ermöglicht so eine Sichtkontrolle über den Stand des Tankinhalts. Der Spant des Instrumentenpaneels und derjenige im Cockpitrücken ist zusätzlich mit mehrfachverleimten Sperrholz hinterklebt um die Zug- und Druckkräfte der Flächenstreben aufnehmen zu können. Die Streben werden mittels 3mm Stahlschrauben und eingelassenen Einschlagmuttern an diesen Spanten gehalten. Die offene Bauweise des Cockpits erleichtert die Montage der Streben.
Für den Rumpfrücken hinter dem offenen Cockpit wählte ich eine Leistenkonstruktion wie ich sie an einer in England geflogenen VP1 gefunden habe. Diese Maschine diente mir auch später bei der Farbgebung und der Beschriftung.
Der Rahmen der Frontscheibe ist bei meinem Modell aus Alurohr. Beim Original dient dieser Rahmen als Überrollbügel und ist aus Stahlrohr. Um die Scheibe herstellen zu können fertigte ich eine Kartonschablone an. Bei den manntragenden VP1 habe ich viele Varianten von Frontscheiben gefunden. Es gibt auch vollkommen geschlossene Cockpits.
Ein passendes GFK - Fahrwerk für meine VP1 fand bei KHK. Die Räder mussten für den gewählten Maßstab schon 120mm Durchmesser haben.
Für die Motorhaube fertigte ich einen Formklotz mit den Konturen in Sperrholz und Roofmate her. Nach Schnitzarbeit und Schleifen entstand eine Rohform der Motorhaube. Nun wurde diese Form komplett mit dünnem Paketklebeband umwickelt. Nach mehrmaligem Bearbeiten mit Trennwachs wurde zuletzt das Trennmittel aufgebracht. Ich wollte nur eine Motorhaube abformen und habe daher keine Negativform hergestellt. Der Formklotz wurde mit zwei Lagen 180gr und einer Lage 40gr Glasfasermatte laminiert. Ich habe keine große Erfahrung in der Herstellung von GFK Teilen, deshalb war ich selbst etwas auf das Ergebnis gespannt. Nach Aushärten des Harzes sollte sich die Motorhaube vom Formklotz lösen lassen. Aber es wollte nicht klappen. Ich mußte den Formklotz zerstören um an meine Form zu kommen. Als Ergebnis hatte ich aber eine Motorhaube die auch auf mein Modell paßte. Da die Motorhaube nun ein Positiv ist, musste sie natürlich von der Oberseite noch bearbeitet werden. Kleinere Unebenheiten wurden mit Spachtel ausgeglichen und das Ganze geschliffen bis eine lackierfähige Oberfläche entstanden war.
Meine Motorhaube ist so bemessen, dass sie über den Motorspannt reicht und daher an diesem verschraubt werden konnte.
Nun galt es, den Motor einzupassen, einen ZG 38 mit Vergaserumlenkung, und einen für die Piper von TC konstruiertem Schalldämpfer hinter dem Motorspannt. Da es sich bei dem Motor um einen der älteren Baureihe handelt, bei dem der Vergaser noch keine Choke Klappe hat, musste ich eine Lösung finden um die Ansaugöffnung zum Ansaugen (mit dem Finger) schließen zu können. Auf Höhe des Vergasers wurde der Rumpf seitlich aufgeschnitten und eine 10x4 cm Öffnung geschaffen. Zur Rumpfinnenseite klebte ich Balsaholz halbrund. Nun war der Rumpf wieder geschlossen und der Vergaser ragte in diese entstandene Mulde, so dass er mit dem Finger erreicht werden kann. Da der Vergaser fast in dieser Mulde verschwindet, fällt dieses kaum auf. Außerdem wird er auch noch von einer Motorattrappen verdeckt. Wie bereits erwähnt wird bei dem VP1 ein Boxermotor verwendet. Um mein Modell möglichst auch in diesem Punkt naturgetreu zu gestalten, verbaute ich rechts und links an der
Motorhaube eine Attrappe eines VW Boxermotors. Gebrauchte Glühkerzen und die dazugehörigen Kabel geben den Attrappen ein natürliches Aussehen.
Die Motorattrappen stellte ich aus verschieden in den Durchmessern geschnittenen Balsa und Sperrholzscheiben her, die die Zylinder darstellen. Der Zylinderkopf ist aus Balsaholz in entsprechender Stärke. Die Ventildeckel des Boxers sind ebenfalls aus Balsa. Die Oberfläche der Ventildeckel wurde mehrfach mit Spritzspachtel aus der Sprühdose behandelt. Anschließend wurden die Teile mit Silber und Schwarz lackiert. Als Abschluss habe ich aus 2mm Eisendraht noch die typischen Bügel geformt, die den Ventildeckel halten. Die Ansaugbrücke habe ich aus 10mm Alurohr gebogen und an der Attrappe verklebt. Die Rohre der Schalldämpfer, die es im Original auch in den verschiedensten Ausführungen gibt, sind aus 14mm mehrfach verleimtem Sperrholz ausgesägt und anschließend in eine rohrähnliche Form geschliffen. Als Schalldämpfer diente ebenfalls Alurohr in entsprechender Stärke. So erhält man eine Motorattrappe, die dem Motor des Originals sehr ähnlich sieht. (Am Rande erwähnt, an meiner Piper Clipped Wing habe ich auch eine Motorattrappe, wie der Motor eben bei einer J3 aussieht und habe schon auf manchen Flugtagen gehört, „was hat der denn da für einen Motor drin?!“)
Für die Verbindung von Tragfläche und Rumpf habe ich eine Flachsteckung gewählt. Die entsprechenden Messingtaschen für die Flachstähle sind in der Rumpfmitte mit der nötigen V-Form hart verlötet. Anschließend wurden diese Taschen an den Spannten verklebt. Die Flächenstähle sind bei meiner VP1 nicht alleintragend, weil die Hauptlast der Tragflügel von den Streben gehalten wird, sie erleichtern aber die Montage. Wenn man die Tragflügel an den Rumpf steckt, halten sie schon von selbst und ich kann die nötigen Servokabel durch die Rumpföffnung stecken, ohne dass alles auseinander fällt.
Der Aufbau der Tragflügel ist ebenfalls eine Rippenkonstruktion. Als Profil verwendete ich das schon so oft erprobte, leicht modifizierte Clark Y meiner Piper. Da dieses Profil eine gerade Unterseite hat, war die Aufteilung auf dem Baubrett ohne Schwierigkeiten und zusätzlichen Hilfsmitteln zu bewerkstelligen. Für die Holme verwendete ich Kiefernleisten und Balsaholz für die Verkastung. An den Aufnahmepunkten der Flächenstreben wurde die Verkastung zusätzlich mit Sperrholz verstärkt. Von beiden Seiten der Holme (Haupt- und Nebenholm), wurden Alustreifen am Drehpunkt für die Flächenstreben so verklebt, dass sie ca. 15mm aus dem Profil herausstehen. Dieser herausstehende Teil wurde vorher halbrund und mit einer 4mm Bohrung versehen in der die Strebe befestigt wird. So erreichte ich, dass man für den Transport die Streben nicht demontieren, sondern nur an den Flügel klappen muss. Die Beplankung des sogenannten D - Holmes erfolgte wieder mit 0,4mm Sperrholz. Damit wurden alle beplankten Teile verklebt. Die Querruder sind unüblich groß in der Tiefe. Die Scharniere dieser Ruder sind oben im Profil angeschlagen und haben durch diese Anordnung einen sehr geringen Spalt in der Flügeloberseite. Die Anlenkung erfolgt unsichtbar durch den Holm zu je einem 5 kg Servo. Die Querruder haben an der Flügelaußenseite (letzte Rippe) Verlängerungen, die zur Gewichtsneutralisierung des Querruderflaps dienen. Bevor ich das Querruder an das Servo-Gestänge angeschlossen habe, habe ich so viel Blei an diese Verlängerung angebracht, bis das Querruder selbständig in der Waage war; so ist auch die Kraft geringer, die jetzt das Servo für den Ausschlag aufwenden muss. Der gleiche Gewichtsausgleich befindet sich auch am Höhenruder, ganz genau wie bei der Original - VP1.
Jetzt waren alle Rohbaukomponeten so weit, dass ich zum ersten Mal einen kompletten Zusammenbau durchführen konnte. Bei einer Spannweite von knapp 2,5m erfordert das schon eine Menge Platz in der Werkstatt. Man unterschätzt oft den Platzbedarf, wenn man nur die Einzelteile auf der Werkbank liegen sieht. Die letzte Rohbaustufe war die Herstellung der Streben. Zu diesem Zweck mußte das Modell aufgebaut sein, um die Länge der Streben auszumessen. Der Rumpf wurde mit Gewichten beschwert, damit er eine unverrückbare Basis bildet. Nun wurden beide Flächenhälften mittels der Flachstähle montiert. Beide Flügel habe ich außen mit gleich hohen Unterstützungen versehen. Die erforderliche V- Form war nun aufgebaut. Von den Gelenkpunkten im Flügel zu den Aufnahmepunkten am Rumpf wurden die Strebenlängen bestimmt, die ich aus profiliertem Alurohr mit den dazugehörigen Befestigungsteilen herstellte.
Eine Messung der Einstellwinkeldifferenz zwischen Tragflügel und Höhenruder brauchte ich nicht bzw. nur grob vornehmen. Da es sich beim Höhenruder um ein Pendelruder handelt ist dieser Wert später beim Einfliegen zu korrigieren.
Nun wurden Rumpf, Leitwerke und Tragflügel mit ORACOVER bespannt. Ich verwendete nach meinem Vorbild die Farben Silber für die Leitwerke und Flächen und Dunkelblau für den Rumpf. Wie diese Arbeit bewerkstelligt wird, ist schon oft beschrieben worden, weshalb ich darauf an dieser Stelle nicht weiter eingehe.
Erst wenn dieser Arbeitsgang beendet ist, hat man ein Modell, so wie man es sich nach dem Vorbild vorgestellt hat. Dann kommt der Punkt, der mir immer viel Spaß bereitet: das Dekorieren des Modells mit den entsprechenden Beschriftungen. Da ich im Besitz eines Folien-Plotters bin, ist es keine Schwierigkeit für mich, die benötigten Folien herzustellen. Wenn ich an meine Anfänge denke, alles mühsam mit der Schere auszuschneiden, damals noch in DC-Fix-Folie, ist es doch heute einfacher. Ich verwende ausschließlich die Folien, die auch in der Fahrzeugbeschriftung Verwendung finden - diese sind UV- beständig und auch benzinfest.
Für erste Fotos und zur Bestimmung des Schwerpunktes baute ich meine VP1 erstmalig draußen auf. Es stellte sich heraus, dass mein Modell vom Schwerpunkt schon so passte, dass ich den Empfänger und den Akku im Cockpitboden plazieren konnte. Das Aussehen der fertigen VP1 war genau so, wie ich es mir an Hand des Fotos der englischen manntragenden Originals ausgesucht hatte. Mit diesem Modell habe ich ein außergewöhnliches Flugzeug, das ich – jedenfalls in dieser Größe bisher auf keinem Flugtag gesehen habe. Die Erscheinungsform dieses Flugzeuges ist einfach Geschmacksache. Meiner Meinung nach besticht es aber durch sein außergewöhnliches Bild eines Amateurflugzeuges.
Kommen wir nun zum letzten und spannendsten Teil dieses Bauberichtes. Wie wird es fliegen? Insbesondere: Ist die Motorisierung bei einem Abfluggewicht von knapp über 8 kg ausreichend.
Natürlich sucht man sich für den ersten Start einen Tag aus, an dem es nicht allzu windig ist. So sind doch dann alle Flugeigenschaften besser zu beurteilen. Die bedeutendsten Fragen waren für mich: Sind die Ausschläge der Pendelruder nicht zu groß? Wie ist ihre Wirkung? Wegen des Flugverhaltens hatte ich eigentlich keine Bedenken. Das verwendete Profil fliegt, ein ZG 38 ist ein zuverlässiger Motor, also blieben nur die Ausschläge. Trotz langjähriger Erfahrung im Modellflug ist das Einfliegen eines neuen Modells immer etwas Besonderes und wer behauptet, er hätte dabei nicht ein etwas mulmiges Gefühl, dem glaube ich einfach nicht. Wichtig ist es immer, vor dem ersten Start eines neuen Modells einen Reichweitentest zwischen Sende- und Empfangsanlage zu machen, und das natürlich mit laufendem Motor. Der Motor wurde angeworfen, ich hatte ihn vorher auf einem Prüfstand laufen lassen und eingestellt. Die Reichweite war in Ordnung, es konnte geflogen werden. Rollen zum Startpunkt, Höhenruder gezogen (es ist schließlich ein Zweibeinfahrwerk), Gas langsam rein und beschleunigen. Dabei etwas Höhenruder lösen, damit man das Modell nicht vom Boden reißt. Meine Volksplane folgte den Steuerbewegungen und hob langsam im flachen Winkel vom Boden ab. Ich ging erst einmal auf Sicherheitshöhe. Mit der montierten Menz-Latte 20x8 ist das Modell in der Geschwindigkeit richtig eingestellt. Nun folgte ein Looping in ausreichender Höhe mit voll gezogenem HR. Dabei zeigt sich, dass die Wirkung des Pendelruders doch recht groß ist und vom Ausschlag noch etwas reduziert werden kann. Also wusste ich für die Landung: Vorsichtig am HR, um keinen Abriß zu produzieren! Die Wirkung der Querruder ist so, wie ich es bei meinem Modell immer eingestellt habe. Ich habe am Ende des Ruderweges noch etwas Reserve, fliege mit kleinen Knüppelwegen. Die langsame Rolle klappt sehr gut, obwohl die VP1 doch eine große V-Form hat.
Der Rückenflug ist nur sauber zu fliegen mit leicht gedrücktem HR. Ich muß schon sagen, dass meine VP1 so fliegt, wie ich es mir erhofft habe. Super funktioniert ein Turn, das Seitenruder wirkt gut im Scheitelpunkt. Die 20-Zoll-Latte bläst es gut an. Natürlich sind die Turns nicht in unendlicher Länge zu fliegen, der ZG38 hat schon die 8kg am Propeller. Am meisten Spaß macht es, mit halbem Gas langsam Platzrunden zu fliegen. Allerdings: Bekanntlich muß man nach einem Start irgendwann auch wieder landen. Ich flog vorab ein paar Ladeanflüge in Sicherheitshöhe, um festzustellen, wie sich das Modell im Langsamflug verhält. Es war aber kein Problem. Durch die doch große V- Form flog die VP1 sehr eigenstabil. Noch immer im Hinterkopf, „nicht volles Höhenruder bei der Landung!“, leitete ich diese ein. Wie „auf Schienen“ folgte das Modell meinen Ruderbefehlen und ich konnte meine Volksplane sicher landen.
Fazit: dieses Modell ist mit dem ZG 38 richtig motorisiert, man fliegt das Modell wie einen Trainer, am meisten Spaß machen die langsamen Überflüge. Als Herausforderung sehe ich es an, eine saubere Rolle zu fliegen, weil das Modell für Kunstflug nicht ausgelegt. Einfache Figuren gelingen aber, wenn man Erfahrung mit dreiachsgesteuerten Modellen hat. Ich bin froh, mich für diesen Nachbau entschieden zu haben, weil ich nunmehr – nicht ganz ohne Stolz – auf Flugtagen ein nicht so häufig gesehenes Modell präsentieren und vorfliegen kann.
Technische Daten: Volksplane VP 1
Original: Modell: Maßstab 1:3
Spannweite 7,31m 2,44m
Rumpflänge 5,52m 1,84m
V.max 150 h/km
Gesamtgewicht 345 kg 7,9 kg
Motor VW 12oo – 18oo ccm ZG 38 ccm |